Die nächste Vortragsveranstaltung
findet am Mittwoch, den 2. April 2025 ab 18:00 Uhr statt.
Ort: Haus der Technik Essen, Hollestr. 1, Raum 506
(Raumänderungen sind möglich!)
Offshore-Windenergie in Deutschland –
Status und Ausblick
Referenten:
Guido S. Vallana,
Thomas Linnemann
Das
energiepolitische Ausbauziel ist höchst ambitioniert: Gigantische
Offshore-Windparks in der Nord- und Ostsee sollen in absehbarer Zukunft
das Rückgrat der Energiewende bilden.
Speisten zum Jahresende 2023 Offshore-Windparks mit 8,5 Gigawatt (GW)
Nennleistung Strom ins Netz ein, so soll diese Nennleistung bis zum
Jahr 2030 auf 30 GW angewachsen sein und bis 2045 auf 70 GW.
Bereits im jetzigen Ausbauzustand treten unerwartete Nebenwirkungen auf:
Die 1.566 zum Jahresende 2023 in Betrieb befindlichen
Offshore-Windenergieanlagen kannibalisieren und beeinflussen sich
gegenseitig, verändern nicht nur Luftströmungen, sondern auch das
Wellengeschehen und erzeugen Turbulenzen, die das ohnehin stark
belastete Stromnetz noch weiter destabilisieren. Damit steigt das
Ausfallrisiko der angestrebt gesicherten Stromversorgung.
Turbulenzen, in der Fachsprache auch als Intermittenzen bezeichnet,
sind eine Nebenwirkung der Windenergie, die verstärkte Fluktuationen
der Windstromeinspeisungen hervorrufen. Die daraus resultierende
Herausforderung für Netzbetreiber wird in der breiten Öffentlichkeit
kaum thematisiert.
Nur vereinzelt wird über Netzengpässe berichtet. In solchen Fällen
stößt die Netzkapazität an ihre Grenzen, so dass der auf See
bereitgestellte Windstrom abgeregelt werden muss.
Die Netzbetreiber sind aufgrund der Netzengpässe gezwungen,
Windenergieanlagen aus dem Wind zu nehmen, so dass sich die Rotoren
nicht mehr drehen und keinen Strom mehr liefern. Diese Abregelung führt
zu elektrischer Ausfallarbeit.
Nach Angabe der Bundesnetzagentur betrug die Ausfallarbeit aller
erneuerbaren Energien im Jahr 2023 rund 10,5 Terawattstunden (TWh). Das
entspricht etwa der Jahresstromproduktion eines der im April 2023
letzten drei stillgelegten Konvoi-Kernkraftwerke. Mit 5,6 TWh entfiel
mehr als die Hälfte dieser Ausfallarbeit allein auf abgeregelte
Offshore-Windenergieanlagen.
Der Vortrag behandelt unter anderem Fragen, wie auf See vorherrschende
Verwirbelungen entstehen und wie diese sich auf die Windstromproduktion
auswirken. Darüber hinaus werden nicht nur aktuelle Erkenntnisse zu
sogenannten Nachlaufeffekten von Windparks vorgestellt, sondern auch
Maßnahmen der Netzbetreiber für eine gesicherte Stromversorgung
erläutert, zum Beispiel das Netzengpassmanagement.
Bei der Modellierung künftig zu erwartender Energieerträge aus
Offshore-Windparks bisher unbekannter Größe sind nach Aussagen des
Fraunhofer-Instituts für Windenergiesysteme hohe Unsicherheiten zu
berücksichtigen. Welche Offshore-Windstromerträge sind im Jahr 2045 mit
70 GW installierter Nennleistung zu erwarten? Oder sind mit dem
heutigen Ausbau der Offshore-Windenergie bereits Grenzen der lokalen
Ressourcennutzung erreicht bzw. sind wir bereits am Limit oder ist das
verheißene Windenergie-Paradies auf See langfristig doch in Reichweite?
Der Vortrag nimmt diese Fragen unter die Lupe und versucht, Antworten darauf zu geben.
Auch dieser Vortrag, der als Fortschreibung der Ergebnisse der
VGB-Windstudie verstanden werden kann, lädt das Auditorium ein, in
Untiefen der Energiewende einzutauchen.
Schnallen Sie sich an, es wird chaotisch turbulent.
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